Rheinhessen international

 

Mittwoch, 11. März 2015, 18.30 Uhr

Feridun Zaimoglu

„Isabel“

Lesung

 

Mittwoch, 15. April 2015, 18.30 Uhr

Günter Minas

„Brocante. Zwei Männer und ein Krieg“

Lesung mit Kurzfilmen

 

Mittwoch, 13. Mai, 18.30 Uhr

Dr. Helmut Schmahl

„Verpflanzt aber nicht entwurzelt: Die Auswanderung aus Mainz und Rheinhessen nach Nord- und Südamerika“

Vortrag

 

 

Zu den Veranstaltungen

Internationalität, Völkerverständigung und Integration waren und sind spannende und wichtige Themen für Deutschland und, geschichtlich bedingt, gerade auch für unsere Region. Wir präsentieren Ihnen drei sehr unterschiedliche Veranstaltungen, die diesen Komplex aus verschiedenen Perspektiven beleuchten.

Der Mainzer Stadtschreiber-Preis geht 2015 an einen Autor, der mit der Integrationsdebatte in Deutschland fest verbunden ist: Feridun Zaimoglu. Mit dem Buch „Kanak Sprak“ gab er vor 20 Jahren den Einwanderern der zweiten Generation eine Stimme. Es folgten zahlreiche preisgekrönte Bücher, deren Protagonisten meist am Rande der Gesellschaft leben, auch bedingt durch ihre Herkunft. In seinem aktuellen Roman „Isabel“ beschreibt er das Leben einer türkischstämmigen Frau in Berlin, die beschließt, ihr Leben neu zu entwerfen. Sie verlässt ihren Freund und wählt den Weg in die Keuschheit. Nachdem es auch ihren Eltern trotz großer Anstrengungen nicht gelungen ist, ihr einen passenden Heiratskandidaten zuzuführen, trifft sie den Soldaten Marcus, der traumatisiert von einem Einsatz im Kosovo heimkehrt. Gewohnt sprachmächtig, dabei sehr genau in der Beobachtung und bewusst in der Verknappung, führt Zaimoglu seine Leser in eine Welt der zurückgefahrenen Lebenserwartungen, die aufgebrochen wird durch Liebe, Schmerz, Reue und Rache.

Rheinhessen ist ein besonderer Ort der interkulturellen Begegnungen – im positiven wie im negativen Sinne – als „Völkermühle Europas“ beschreibt Carl Zuckmayer unsere Region in „Des Teufels General“. Eine dieser Begegnungen schildert  Günter Minas in seinem Romanprojekt „Brocante. Zwei Männer und ein Krieg“: Zwei Soldaten stehen sich im Juni 1940 nur wenige hundert Meter gegenüber, ohne sich zu begegnen. Erst Jahrzehnte später lernen sie sich kennen, im Rahmen der Städtepartnerschaft zwischen Nolay und Worms-Pfeddersheim. Ein Doppelporträt zweier ganz gewöhnlicher Menschen mit ganz gewöhnlichem Schicksal und ein Blick auf zwei Heimaten in Deutschland und Frankreich. Der Autor stellt neue Passagen seines "work in progress" vor. Parallel zum Text sind Kurzfilm-Essays entstanden, die abwechselnd mit der Lesung einzelner Episoden gezeigt werden.

 

Einwanderer sind zugleich auch immer Auswanderer. Diesen Perspektivenwechsel vollzieht Dr. Helmut Schmahl, der an der Johannes Gutenberg-Universität zur Geschichte der Region, Deutschlands und der USA forscht. Dazu gehören auch die historische Migrationsforschung, insbesondere die deutsche und europäische Nordamerikaauswanderung vom 17. bis zum 20. Jahrhundert und deren Folgen für die kulturelle Identität der Menschen. In seinem Vortrag „Verpflanzt aber nicht entwurzelt: Die Auswanderung aus Mainz und Rheinhessen nach Nord- und Südamerika“ wird er diese Thematik umreißen und auch die rheinhessischen Spuren in der Fremde aufzeigen.

Die Festschrift zum 20-jährigen Bestehen der Mainzer Bibliotheksgesellschaft aus dem Jahr 2014 ist sowohl in der Stadtbibliothek als auch in der Öffentlichen Bücherei frei erhältlich!