Exkursion nach Leipzig

Exkursion der MBG nach Leipzig vom 8. – 10. Sept. 2017

 

Freitag, 8.9.2017

 Ca.8.00 Uhr: 12 Personen fahren  vom HBF Mainz über Ffm mit dem ICE nach Leipzig, Ankunft gegen 12.30 Uhr, 7 Personen  (Berufstätige) folgen gegen 18.00 Uhr ebenfalls über Ffm mit dem ICE nach Leipzig, Ankunft gegen 22.30 Uhr

Die Vormittagsgruppe geht zu Fuß zum nahegelegenen Motel One Nikolaikirche und bezieht die Zimmer (preisgünstiges, zentral gelegenes Hotel, kleine Zimmer, modern eingerichtet, gutes Frühstücksbuffet, gemütliches Foyer mit Bar)

 

Zeit zur freien Verfügung

 

15.30 Uhr Spaziergang zur Bibliotheca Albertina (für ältere, gehbehinderte Personen etwas beschwerlich)

16.00 Uhr bis 18.00 Uhr Besuch der Bibliotheca Albertina  

Zunächst Führung durch das Haus durch den Leiter, Herrn Professor Schneider, dann Präsentation von Raritäten im Fürstenzimmer durch Herrn Professor Fuchs

Die Bibliotheca Albertina ist das frühere Hauptgebäude der Universitätsbibliothek Leipzig, errichtet im Stil der Neorenaissance 1891, nach 1945 durch Kriegszerstörung nur eingeschränkt nutzbar, seit dem Wiederaufbau 2002 verbindet das Gebäude die alte Pracht mit erhöhter Funktionalität. Die Bibliotheca Albertina ist Teil der Universitätsbibliothek, beherbergt die Fachbibliothek für die Geistes- und Sozialwissenschaften, den Altbestand und zahlreiche Sammlungen des Weltschrifterbes. Der Altbestand setzt sich zusammen aus den seit 1409 bestehenden Fakultätsbibliotheken, den Klosterbibliotheken seit der Reformation,, Geschenken und Nachlässen. Heute umfasst die Bibliothek neben 5,5 Mio Druckwerken auch 5.000 antike Papyri und 1.600 Ostraka (Tonscherben), 2.200 mittelalterliche Handschriften, 4.200 neuzeitl. Handschriften, 3.500 oriental. Handschriften, 3.800 Inkunabeln, 220 Nachlässe und Autografensammlungen, 83.000 Münzen, 15.000 Portraitstiche usw.

Zu bedeutenden Zeugnissen des Weltschrifterbes zählen aus der Antike der Papyrus Ebers:

vollständig überlieferte 19 m lange Papyrusrolle über die Medizin Altägyptens, um 1500 v.Chr., benannt nach dem Entdecker, dem Leipziger Ägyptologen Georg Ebers;

der Codex Sinaiticus: älteste griech. Bibelhandschrift , vollständiges Neues Testament, 43 Pergamentblätter aus dem 4.Jh., Buchformat ersetzt jetzt Schriftrolle, benannt nach dem Katharinenkloster auf dem Sinai, wo der Codex lange aufbewahrt wurde., weitere Blätter in der British Library, London, und der Russ. Nationalbibliothek, St. Petersburg;

Machsor Lipsiae: prachtvoll ausgestattetes jüdisches Gebetbuch , 14.Jh.;

Heliandfragment: frühmittelalterliches, altsächsisches. Großepos, stabreimende Langzeilen, Leben Jesu Christi in Form einer Evangelienharmonie nacherzählt, 9. Jh. , volkssprachiges Werk der Karolingerzeit Mongolen-Koran , reich mit Goldschrift ausgestattetes Werk, 1307 in Bagdad im Auftrag des Mongolensultans Ölscheitüs entstanden

Diese wertvollen Handschriften lagern im Tresor, leuchten jedoch auch in der Dauerausstellung  auf 16 großen Leuchttafeln als Faksimile.

Wir waren nicht nur vom Bestand, sondern auch von den Räumlichkeiten dieser Bibliothek beeindruckt; z.B. vom Foyer mit dem zentralen Treppenhaus (Marmorsäulen und Marmorstufen),dem halbrunden, lichten historischen Lesesaal (überdachter Innenhof), den vielen Lese- und Arbeitsplätzen auf insgesamt vier Etagen, dem Lesecafé und dem Vortragsraum (Herz der Bibliothek)

20.00-22.00 Uhr Besuch eines Konzerts mit dem Gewandhausorchester im beeindruckenden Gewandhaus am Augustusplatz

 

Samstag, 9.9.2017

 

Nach dem Frühstück Spaziergang zur Thomaskirche, wo wir unsere  kompetente und freundliche Stadtführerin trafen

9.30 - 10.30 Uhr informative und unterhaltsame Ausführungen, verknüpft mit Erzählungen über die Montagsdemonstrationen 1989,  bei einem  Bummel durch das Zentrum Leipzigs.

Hier können nur einige Highlights genannt werden: Thomaskirche mit Bachdenkmal, Naschmarkt mit Goethedenkmal, Altes Rathaus , Alte Börse, Speck’s Hof mit Passage, Mädlerpassage mit Auerbachs Keller, Nikolaikirche, Alte Nikolaischule, Kaffeehaus Riquet usw.

10.30 – 12.00 Uhr Busfahrt durch die übrigen Bezirke Leipzigs

Auch hier wies uns unsere Stadtführerin kenntnisreich und humorvoll auf die Sehenswürdigkeiten Leipzigs hin. Wir sahen den Augustusplatz mit dem modernen Paulinum (Teil der Uni, ),in dessen Fassade die Portalseite der alten Universitätskirche reizvoll integriert ist,  Opernhaus , Gewandhaus und Cityhochhaus, fuhren bis zum Völkerschlachtdenkmal und zum Gebäude des MDR, sahen den Bayrischen Bahnhof von außen, ebenso das Museum zum Runden Eck (Dauerausstellung „Stasi – Macht und Banalität“), fuhren durch Plagwitz, das vom Arbeiterviertel zum In-Quartier wurde mit Wasserstraßen und Bootsstegen, kamen nach Gohlis mit dem Rokoko-Schlösschen, ins Rosental und ins Waldstraßenviertel mit vielgestaltigen Gründerzeitvillen, sahen vom Bus aus auf das große Zoogelände (Herr Busch besuchte den Zoo, der zu den Highlights gehört),und durchquerten mit dem Bus den Auwald (Geburtsstätte der Schrebergärten)mit den Sportstätten (Red Bull Arena) u.a. Wir staunten über die vielen Parks, Grünflächen und Wasserwege rund um Leipzigs Zentrum.

 

Zeit zur freien Verfügung bis um 15.15 Uhr, dann gemeinsam mit der Straßenbahn zur Deutschen Nationalbibliothek

 

16.00 Uhr bis 18.00 Uhr  Besuch der Deutschen Nationalbibliothek mit dem Deutschen Buch- und Schriftmuseum

 

Das beeindruckende Ensemble von historischen und neuen Gebäudeteilen muss man gesehen haben, es ist ästhetisch schön und funktional zugleich.

1912 wurde  vom Königreich Sachsen und dem Börsenverein der Deutschen Buchhändler in Leipzig, dem damaligen Mittelpunkt des Buch- und Verlagswesens im Deutschen Reich, die Deutsche Bücherei gegründet mit dem Ziel, die erscheinende deutsche und fremdsprachige Literatur des Inlandes und die deutschsprachige Literatur des Auslandes zu sammeln und den Benutzern zur Verfügung zu stellen. 1914-1916 wurde am Deutschen Platz nach Entwürfen von Oskar Pusch ein Gebäude in elegantem Schwung errichtet und 1934-36  sowie 1959-63 nach Puschs Entwurfsvorlagen homogen erweitert. 1976-1982 wich man mit einem Bücherturm (eine 55 m lange Röhre verbindet den Magazinturm mit dem Hauptgebäude)von dem ursprünglichen Konzept ab . 2007 baute man den vierten Erweiterungsbau, sehr modern nach den Plänen der Stuttgarter Architektin Gabriele Glöckler,  der u.a. das Deutsche Buch- und Schriftmuseum und das Musikarchiv aus Berlin enthält. Bedingt durch die deutsche Teilung entstand 1946 in Frankfurt am Main ebenfalls eine Deutsche Bibliothek für die nicht- sowjetischen Zonen. Seit der Wiedervereinigung haben wir eine Deutsche Nationalbibliothek in Leipzig und eine in Frankfurt am Main. In beiden Bibliotheken werden alle deutschen und deutschsprachigen Medienwerke in Schrift, Bild und Ton ab 1913 gesammelt. Lediglich die Archivierungsarbeit teilt man sich. Der Gesamtbestand der Deutschen Nationalbibliothek umfasst ca. 30 Mio. Medieneinheiten, jährlich kommen etwa 1 Mio. Einheiten hinzu. Die Bibliothek ist als Archivbibliothek eine Präsenzbibliothek, um die optimale Verfügbarkeit zu gewährleisten.

Wir waren sehr beeindruckt vom Deutschen Buch- und Schriftmuseum, das eine kurze Mediengeschichte der Menschheit in einer knapp 1.000 qm großen Dauerausstellungshalle mit einer fassadenhohen Vollverglasung (Mehrfachverglasung mit Filterung des Lichts) bietet. Hinzu kommen Museumslesesaal, Museumskabinett für Aktionen rund um Schrift, Buch und Papier, Seminarraum, Wechselausstellungshalle und Tresor.

Die Dauerausstellung präsentiert buch- und schriftgeschichtliche Sammlungen unter dem Titel „Zeichen – Bücher – Netze: Von der Keilschrift zum Binärcode“.; also drei Medieninnovationen der Menschheitsgeschichte: Schrift, Buchdruck mit beweglichen Lettern, digitale Netzwelten. Der zeitliche Bogen spannt sich von der Frühgeschichte bis heute.

Das Museum ist ein absolutes Muss, man sollte sich  mind. ca. 2 Stunden Zeit lassen.

Hungrig fuhren wir mit der Straßenbahn zum Hotel zurück, um gemeinsam zum nahegelegenen regionaltypischen Gasthof „Zill’s Tunnel“ zu gehen, wo wir aus einer sächsischen Speisekarte (auch mit hochdeutscher Übersetzung) Köstlichkeiten auswählen und genießen konnten.

 

Sonntag, 10.9.2017

 

Zwischen Frühstück und Abfahrt des Zuges gegen 15.30 Uhr konnte jeder seine Zeit nach eigenem Belieben gestalten. Wir hatten am Samstag genügend Anregungen bekommen.  Einige besuchten das  katholische Gemeindezentrum St. Trinitatis ( ein architektonisch interessanter, moderner Backsteinbau für die katholische Minderheit Leipzigs) Eine andere  kleine Gruppe schaute  aus ca.140 m Höhe  von der Aussichtsplattform des City-Hochhauses bei völlig klarer Sicht auf Leipzig und Umgebung, besuchte das Mendelssohn-Museum, nahm an einer musikalischen Matinee teil und setzte sich dann im Effektorium mit Mendelssohns Musik  auf spielerische Weise auseinander; man konnte dirigieren, einzelne Instrumentengruppen oder auch den Gesamtklang ausprobieren.

Im Wiener Kaffeehaus Riquet (Elefantencafé, wie die Leipziger wegen der Elefantenköpfe über dem Eingang sagen) erholten wir uns bei Sächsischer Kartoffelsuppe, Kaffee und Torte von den „Strapazen.“ Wir gingen durch mehrere Passagen, staunten über die Exclusivität der Auslagen und genossen danach die milde Septembersonne in der Sitzgruppe vor dem Hotel, bevor wir zu Fuß zum Bahnhof schlenderten. Unser Zug erreichte pünktlich den Mainzer Hauptbahnhof. Wir hatten viele Eindrücke gesammelt und freuten uns auf einen erneuten Besuch in Leipzig im privaten Rahmen.

 

Der Text wurde nach privaten Aufzeichnungen unter Nutzung von Flyern einiger Institutionen und dem Dumont Reise-Taschenbuch von Susanne Buhl: Leipzig, Ostfildern 3. Aufl. 2014 verfasst.

 

Marlit Kaschta

 

(Frau Magdalene Bork und ich organisierten die Reise und stützten uns auf Tipps von Frau Iris Hartmann, Vorstandsmitglieder der MBG)