Dijon: Bibliothèque Municipal, Foto: Andrea Peters

Dijon: Rue de la Liberté, Foto: Nele Ipsen

Sessenheim: Mémorial Goethe, Foto: Jutta Schulz

Dijon: Musée Archéologique, Foto: Andrea Peters

gefunden in Beaune von Nele Ipsen

Sélestat: Handschrift aus der Humanistenbibliothek, Foto: Andrea Peters

Exkursion nach Dijon 2011

 

Bericht von der Dreitages-Fahrt nach Dijon

23. – 25. September 2011

Pünktlich um 8 Uhr geht am Freitag, 23.09., für 40 Teilnehmer die Fahrt los Richtung Burgund. Fahrer und Bus der Firma Lehr sind – wie immer – zuverlässig und unser Fahrer ist auch bester Laune.

Zunächst führt uns der Weg ins Elsass. Die angekündigte Überraschungspause ist, nach einem kurzen Frühstücksstopp in der Nähe, Sessenheim, wo Goethe in jugendlichem Sturm und Drang dichtete und die schöne Pfarrerstochter Friederike Brion „anhimmelte“. „Damals meinte er das noch ernst“, der Kommentar eines Reiseteilnehmers. Das kleine Goethe-Museum im Restaurant „Auberge du Bœuf“ macht uns diese Zeit anschaulich.

Nach kurzem Füße vertreten geht es weiter bis nach Dijon, Partnerstadt von Mainz und frühere Hauptstadt des bedeutenden Herzogtums Burgund, heute noch Hauptstadt des Departements Burgund.

Doch welcher Schock bei der Ankunft in unserem Hotel „Ibis Arquebuse“, im ganzen Hotel gibt es durch einen Leitungsschaden für diesen Nachmittag kein Wasser. Irgendwie verkraften das doch alle, die Zimmer werden verteilt, und schon geht es weiter mit einer Stadtführung, in Deutsch, zu Fuß, aufgeteilt in zwei Gruppen. Das mittelalterliche Dijon begeistert! Wir sehen u.a. „unterirdisch“ in St. Bénigne Funde aus der Römerzeit, bummeln durch alte Gassen, sehen neben beeindruckenden Kirchenfassaden vor allem auch die typische frühe Fachwerk-Architektur Burgunds, den mächtigen Herzogspalast – heute Sitz der Regionalregierung – und enden in der Stadtbibliothek, wo uns der Leiter der dortigen Bibliotheksgesellschaft mit herzlichen Worten begrüßt.

Damit ist der offizielle Teil für diesen Tag beendet und bei Rückkehr im Hotel sind auch alle Wasserleitungen wieder in Betrieb.

 

Am Samstag, dem 24.09., lädt uns die Bibliothek – Hauptziel der Exkursion – zunächst zu einem Kaffee-Empfang am frühen Morgen. Hier können wir alle zusammen teilnehmen, danach geht es dann nacheinander in zwei Gruppen weiter.

Diese Führung durch das altehrwürdige ehemalige Jesuiten-Kolleg ist wahrlich nicht nur der Höhepunkt unseres Ausflugs, sondern ein Hochgenuss überhaupt. Von den Räumlichkeiten mit bemalten Decken – jetzt wissen wir auch ganz genau wie man dort früher nach „Devisen“ lebte – und Gängen durch moderne Buchbestände bis zu den Handschriften und Inkunabeln, gibt es nur eines zu sagen: „Begeisterung pur“. Die frühen Handschriften aus dem nahe gelegenen Gründungskloster des Zisterzienser-Ordens, Cîteaux, bekommen wir „Augen nah“ zu sehen. Phantastisch!

Schließlich endet der Rundgang im Lesesaal mit der Möglichkeit, Abbildungen im Form von Ansichtskarten zu erstehen.

Nach diesem wahrlich hochkulturellen Vormittag geht es um 14.30 Uhr ab Hotel im Bus nach Beaune. Hier bleibt zum Verarbeiten des bisher Gesehenen eine individuelle Kaffeepause.

Dann schließt sich eine Führung in deutscher Sprache durch das ebenfalls beeindruckende "Hôtel Dieu" an, einem weiteren Höhepunkt in Geschichte, Architektur und Kultur von Burgund.

Die Rückfahrt nach Dijon führt uns über die alte Landstraße, an der aufgereiht wie auf einer Perlenschnur die Weinorte Burgunds liegen mit ihren berühmten Weinschlössern. Auf Einladung der Bibliotheksgesellschaft besuchen wir eines davon, das „Clos de Longres“, mit kurzer Kellerbesichtigung und anschließender  Weinprobe mit drei Weinen und eher geringen Mengen.

Unser Busfahrer nötigt uns aber Respekt und Begeisterung für sein gekonntes Manövrieren sowohl bei der Auffahrt zum Clos als auch in den Straßenbahn-Baustellen von Dijon ab.

Nach einem angebotenen gemeinsamen Restaurant-Besuch in Dijon – es wird ein langer Abend – sind schließlich alle wohlbehalten wieder im Hotel.

 

Sonntag, der 25.09. der letzte Tag – einer „gefühlt“ viel zu kurzen Reise – führt uns wieder zu einem diesmal vorher bekannten Ziel im Elsass, Sélestat.

Hier ist zunächst Zeit für ein individuelles Mittagessen,  bevor wir uns am Eingang zur Humanisten-Bibliothek treffen. Unsere Führerin, eine ältere Dame, zeigt und erklärt uns in liebenswertem alemannisch-elsässisch-deutschen Dialekt die berühmte Bibliothek des Beatus Rhenanus und der Lateinschule, weltweit der einzige nicht verstreute Bestand dieser wichtigen Zeit. Wir hätten uns noch stundenlang dort aufhalten mögen.

Aber „Schlettstadt“ ist ja nicht so weit von Mainz entfernt, und wir wissen nun, welcher Schatz dort liegt.

Nun geht es zur Rückfahrt nach Mainz. Jeder Teilnehmer bekommt als Geschenk und zur Erinnerung eine Postkarte mit „seinen“ Initialen aus einer Handschrift von Dijon.

Ein großartiger Ausflug in - man könnte sagen -  „bibliophile“ Kultur ist für die begeisterten Teilnehmer am späten Nachmittag zu Ende.

Und hier nochmals ein großer Dank an das Vorbereitungsteam, das uns unterwegs auch mit gutem Kartenmaterial versorgte und im Bus mit einer Lesung von Goethe erfreute.

Gisela Liebisch