Berichte aus Presse, Blogs und Newslettern

Informationen zum Thema finden Sie hier:

Aus der Presse:

http://www.allgemeine-zeitung.de/region/mainz/meldungen/11431064.htm

www.mainzer-rhein-zeitung.de/mainz_artikel,-Dezernentin-verteidigt-Sparkurs-_arid,344776.html

www.allgemeine-zeitung.de/region/kultur/literatur/11395018.htm

http://www.allgemeine-zeitung.de/region/mainz/meldungen/11324325.htm

http://www.faz.net/aktuell/rhein-main/mainz-gedaechtnisverlust-in-der-gutenbergstadt-11498815.html

http://www.allgemeine-zeitung.de/region/mainz/meldungen/11269021.htm

www.allgemeine-zeitung.de/region/mainz/meldungen/11349635.htm

 

Aus Blogs und Newslettern:

archiv.twoday.net/topics/Bibliothekswesen/

http://digiwis.de/blog/2011/11/07/petition-zum-erhalt-der-wissenschaftlichen-stadtbibliothek-in-mainz/

www.restauro.de/blog/lebendige-bibliotheken-erhalten.html

www.uni-muenster.de/Forum-Bestandserhaltung/exec/nlarchiv-win.php

www.restauratoren.de/index.php

www.hebis.de/de/news/sonderthemen/schliessung_stadtbuech_mainz_fl.php

www.bibliotheksverband.de/fileadmin/user_upload/Arbeitsgruppen/AG_RegionalBib/2012_Stellungnahme_AGRB_Schlie%C3%9Fung_Mainz.pdf

Meinungsbeiträge zur aktuellen Diskussion um die Erhaltung der Wissenschaftlichen Stadtbibliothek

Allgemeine Zeitung Mainz, 1.12.2011, S. 10

Kurt Flasch zur Stadtbibliothek

Mainz (red). Im Streit um die Schließung der Stadtbibliothek hat sich jetzt auch der Mainzer Religionsphilosoph Kurt Flasch in einem Offenen Brief an Oberbürgermeister Jens Beutel zu Wort gemeldet. Wir dokumentieren das Schreiben in Auszügen:

"Ich sage Ihnen ehrlich, das ich als alter Benutzer dieser Bibliothek und als Mann vom Fach zuerst nicht glauben konnte, dass jemand das auch nur erwägt.

Denn die Mainzer Stadtbibliothek ist eine Institution, die über Jahrhunderte gewachsen ist; sie präsentiert das intellektuelle Profil von Mainz. Ihre Schätze illustrieren keineswegs nur die Geschichte der Stadt Mainz und Rheinhessens. Sie stellen die theologische, philosophische , juristische und medizinische Entwicklung der alten Universität dar; sie belegen - gerade in der Zusammenstellung, also nicht nur im einzelnen Buch - die bürgerliche Aufklärung und die Präsenz der Arbeiterbewegung. Sie dokumentiert die literarische Kultur, lokal, national, europäisch. Sie hatte Direktoren von hohem internationalem Ruf (...) Eine jahrhundertelange Arbeit ausgezeichneter Bibliothekare würde als Gesamtwerk zerstört.

Was zusammengehört, würde zerrissten (...) Es dürfte in den Akten der Stadtverwaltung noch ein Gutachten von mir vorhanden sein, in dem ich die Eigenheit und den Wert dieser international wichtigen Bibliothek beschrieben habe.

Ich bitte Sie herzlich, ja ich beschwöre Sie, keine Entscheidung zuzulassen, die diese Kostbarkeit der Mainzer Geschichte und Gegenwart als Gesamtkomposition zerstört. Mainz hat unter Zerstörung genug gelitten."  

 

Von Dr. Franz Dumont brachte die Allgemeine Zeitung Mainz am 27.10.2001 folgenden Leserbrief:

Trauriges Ende

Die Bombenangriffe des Zweiten Weltkriegs haben die Stadtbibliothek im Grunde nicht beschädigt.  Jetzt drohen Gefahren von einer Seite, die sie eigentlich schützen sollte: der Stadt. Denn die Rathaus-Pläne, die Bestände der Bibliothek auf mehrere Standorte zu verteilen, werden der traditionsreichen und nützlichen Einrichtung den Garaus machen.

Die für viele Wissenschaften notwendige Verknüpfung des „alten“ mit dem neuen, fortgeschritteneren Wissen wird erschwert, andere Segmente werden willkürlich zusammengestellt, „Überflüssiges“ ausgesondert oder schnell entsorgt.

Die Auslagerung von circa 670 000 Büchern in leer stehende Grund- und Hauptschulen ist schon logistisch schwierig und teuer, ihre Benutzung zeitlich und räumlich ein Problem, ihre Eingliederung in die Öffentliche Bücherei verwischt die durchaus sinnvolle Grenze zwischen Forschungs- und Unterhaltungsliteratur.

Fraglich auch, was aus den Forschungsvorhaben zu alten Handschriften und seltenen Drucken wird: Gibt es Stillstand oder Projektruinen mit anschließendem Niedergang? Wer wird dieses imposante Gebäude kaufen und sanieren?

Ein Jahr lang hat sich Mainz als „Stadt der Wissenschaft“ gefeiert - jetzt dieser Rückfall in die kulturelle Provinzialität: ein peinliches, ein trauriges Ende!

 

Die Allgemeine Zeitung veröffentlichte am 21.10.2011 einen Leserbrief des  Mainzer Ehrenbürgers Prof. Dr. Hermann Reifenberg

Als ich 1946 an der Mainzer Universität mit dem Studium begann, belegte ich auch Veranstaltungen im Fach Buchwissenschaft bei Professor Ruppel, der zugleich Direktor der Stadtbibliothek und zeitweise des Stadtarchivs war.

Wir saßen anfangs, speziell im Seminar, in einem Zimmer der Stadtbibliothek. Es war manchmal sehr eng. Doch Prof. Ruppel bedauerte noch mehr: Die engen Raumverhältnisse der Bibliothek insgesamt sowie die dringend notwendigen Verbesserungen. Aber es war halt Nachkriegszeit. Doch dass sich das Problem bis ins 21. Jahrhundert hinzog... 

Bei jedem Direktorenwechsel hoffte man auf Besserung. Ich denke speziell an Gespräche mit Prof. Halbey, der mein Studienkollege der Anfangszeit war. Auch das gegenwärtige Konzept, an den Zollhafen auszuwandern, ist nicht die tollste Inspiration (Lage, Feuchtigkeit). Was die jüngst angedachte Zerschlagung betrifft, ist zu sagen: Der (nach der Auflösung der alten Mainzer Universität) übernommene Bücherbestand wird seit dem 19. Jahrhundert gepflegt und kontinuierlich erweitert. Er besitzt zum Teil wertvollste Einheiten und ist samt Standort Stadtbibliothek als Gesamtwerk weithin bekannt. Deshalb schaden ihm Amputationen jeglicher Art. Darum mein Vorschlag: Möge der Plan ein Thema für die Fassenachtsposse bleiben. Ansonsten müsste man wohl sagen: „Schlaf wohl“, Stadt der Wissenschaft.

Gästebucheinträge (3.11.2011–22.11.2011)

Am 03.11.2011 schrieb Heiner Stauder

Man kann Dr. Dumont nur zustimmen. Als Archivar, der auch für einen historischen Buchbestand von ca. 13.000 Bänden aus der Zeit vor 1850 zuständig ist, möchte ich unterstreichen, dass ein Umzug in Gebäude, die nicht als Archiv- bzw. Bibliothekszweckbauten geplant worden sind, sehr aufwändig wird. Leer stehende Schulen erfüllen in der Regel die notwendigen statischen, konservatorisch-raumklimatischen, sicherheitstechnischen und funktionalen Anforderungen nicht. Sie müssen daher entsprechend "nachgerüstet" werden, und das ist nicht zum Nulltarif zu haben.

Heiner Stauder, Lindau

Am 03.11.2011 schrieb Rüdiger Schünemann-Steffen

Wie soll das gehen?

Als intensiver Nutzer von Bibliotheken und Archiven in Köln und dem Umland seit vielen Jahren weiß ich, wie wichtig es ist, Unterlagen an einem Ort zu wissen.

Oder soll ich, wenn ich einen Querverweis finde, den Ort b aufsuchen, beim nächsten Fund zu Ort c, um anschließend wieder auf Ort a zurückzukommen (oder doch nach d)?

Als das Kölner Stadt-Archiv (wahrlich) im Erdboden versank, haben viele Bürger erstmalig davon gehört, daß es EINEN Ort des "Stadtgedächtnisses" gab.

Vielleicht sollte man in Mainz für die Entscheidungsträger eine Führung organisieren - damit sie wissen, worüber sie reden.

Im privaten Bereich wird immer wieder gesagt, ein Umzug ist wie ein Wohnungsbrand (alles mögliche ist anschließend verschwunden) - was passiert, wenn ...

Am 05.11.2011 schrieb Ingo und Annelen Ottermann

"La Bibliothèque de Mayence est mise à la disposition de la commune" (StA Mainz, 60/1333) verfügte der französische Innenminister Champagny am 20.8.1805 – das war die Geburtsstunde der Mainzer Stadtbibliothek in der Nachfolge der Bibliotheca Universitatis Moguntinae.

Was man damals der Stadt treuhänderisch übergab, das kann man doch jetzt nicht leichthin aus der Hand geben!

"Mettre à la disposition" - das impliziert Verantwortung für das Ganze, nicht ein Zur-Disposition-Stellen von Filetstücken!

Ihr Jünger Gutenbergs und Enkel Aloys Ruppels in dieser Stadt, erhebt Eure Stimme, macht Euch stark gegen den Ausverkauf einer der wenigen wissenschaftlichen Bibliotheken in kommunaler Trägerschaft.

Die Wissenschaftliche Stadtbibliothek ist Teil des intellektuellen Profils ihrer Stadt und Spiegel des regionalen und überregionalen Forschens seit Jahrhunderten. Sie ist ein Alleinstellungsmerkmal der Gutenbergstadt. Gibt man das auf, so wird die Kommune nicht „reicher“, sondern ärmer.

Ingo und Annelen Ottermann, Mainz-Hechtsheim

Am 06.11.2011 schrieb Silja Geisler-Baum

Die Wissenschaftliche Stadtbibliothek Mainz ist eine Besonderheit der Stadt, eine wertvolle, traditionsreiche Institution und eine herausragende Forschungsstätte. Sicher kann man sagen: Andere Städte leisten sich so etwas nicht. Das würde dem Trend zur Beliebigkeit nur zu gut entsprechen.

Mainz sollte aber dagegenhalten: Die „Stadt der Wissenschaft“, hat - anders als die meisten Kommunen in Deutschland - eine Wissenschaftliche Stadtbibliothek und kann stolz darauf sein! Sie sollte sich diesen Schatz bewahren, auch, weil sie vor über 200 Jahren eine Verantwortung übernommen hat. Aber diese Bibliothek ist keine „Last“, sondern eine Identifikationsmöglichkeit für Bürgerinnen und Bürger. Und sie ist eine echte Meenzerin.

Ihr Bestand sollte nicht nur in seiner Gesamtheit bewahrt werden (das ginge dann nämlich ins Museale), sondern er sollte lebendig bleiben, d. h. benutzbar sein und gepflegt werden. Auch ein Einfrieren des jetzigen Zustands würde dem Bestand auf lange Sicht schaden. Ganz zu schweigen von einer Aufteilung, die den Verlust des Benutzungswerts bedeuten würde.

Am 06.11.2011 schrieb Christian Coppens

What happens, or is planned to happen, is not a new feature in history, but 'people' DO NOT LEARN from history, and that's not new neither. The point is that the wrong things are always caused by religion and politics, what too often is the same, power, all over the place, all over the centuries. Point is too, that the 'leaders' not always are (to use an understatent) the wisest of the club, and think, if they are able to at all, in very short terms, too short, with the limit of their own reelection, at the length of their nose. The economic crisis now, THEY caused it, and THEY are not able, or not willing to give it a lasting solution. They just grasp around and take what they can, and what is not 'harming' their financial/election backers, and cultural patrimony in general and libraries in particular, are an easy target. They reign with ignorance and destruction. WE MUST KEEP BATTLING AGAINST!!! Day after day, year after year, century after century, with never ending energy!

Christian Coppens, Leuven

Am 06.11.2011 schrieb Angelika Stresing

Was haben Generationen von Entscheidungsträgern, Bürgern und Bibliothekaren geleistet, um diese Sammlung zu erhalten, zu mehren und zu pflegen! Die Bedingungen waren dabei oft schwieriger als heute. Zeiten großer Not, politische Unruhen und Kriege – all das hat die Bibliothek erstaunlich gut überstanden und präsentiert sich heute in gutem Zustand und auf der Höhe der Zeit. Ihr Bestand ist ausgezeichnet erschlossen und nicht nur in Mainz, auch überregional, ja weltweit kann sich jeder ein Bild von den Inhalten machen und ihre Schätze erforschen. Sie könnte weiter Früchte tragen, wenn jetzt die Weichen richtig gestellt werden.

Sollte es wirklich im Jahr 2011 in der Gutenbergstadt Mainz nicht möglich sein, eine dem Wert und der geschichtlichen Bedeutung der Bibliothek angemessene Lösung zu finden? Soll dieses Haus nicht länger Bestandteil unseres kulturellen Lebens sein? Soll die Sammlung archiviert und unsichtbar für die Öffentlichkeit werden?

Ich habe noch die Hoffnung, dass die Sammlung als Ganzes und mit dem unverzichtbaren Maß an Infrastruktur erhalten bleibt. Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt.

Angelika Stresing, Mainz

Am 07.11.2011 schrieb Dr. Silvia Uhlemann

Mit Entsetzen und Unverständnis erfüllen uns als Bibliothekare in Bibliotheken des Hessischen Bibliotheksverbundes die Pressemeldungen über die Pläne der Stadt Mainz zur Zerschlagung der wissenschaftlichen Stadtbibliothek.

Es erscheint uns undenkbar, dass die Stadt, in der der Buchdruck erfunden wurde, eine der bedeutendsten historischen Büchersammlungen auseinanderreißen und auf andere Bibliotheken und Archive verteilen will, von denen nur eine (die Universitätsbibliothek Mainz) Mitglied des HeBIS-Verbundes, der hessische und rheinhessische Bibliotheken zusammenfasst, ist. Dadurch würden zwei Drittel der Bestände künftig wieder in der Unsichtbarkeit verschwinden und damit der (über-)regionalen Nutzung entzogen, denn Bücher in Bibliotheken sind heutzutage nur über Verbundkataloge sichtbar. Die bereits auf hohem Niveau katalogisierten Bücher würden von der Bildfläche verschwinden, wären für die Nutzer nicht mehr recherchierbar, jahrhundertealte Geschichte würde faktisch ausradiert.

Die Sammlung der Mainzer Stadtbibliothek umfasst zu großen Teilen das Erbe der historischen Universität Mainz. Die Bücher sind damit Zeugnisse der Kulturgeschichte einer ganzen Region. Die provozierende Frage drängt sich leider auf: Müssen historische Bücher immer (noch), wie kürzlich in Weimar, erst brennen, bevor ihr Wert für die Öffentlichkeit deutlich wird?

Wir appellieren vor diesem Hintergrund an die Mainzer Stadtregierung, zu überdenken, ob der Wunsch nach Einsparungen und höherer Effizienz sich bei einer Zerteilung der Sammlung nicht als trügerisch erweisen könnte. Auch zweifellos notwendige Sparmaßnahmen sollten sich nach dem Prinzip der Nachhaltigkeit richten, andernfalls besteht die Gefahr, dass noch höhere Aufwendungen am Ende stehen bleiben.

Die Wucht, die vom bahnbrechenden Medienwandel des Buchdrucks seinerzeit ausging, wird noch viel mehr als über Druckmaschinen und andere greifbare Zeugnisse der Gutenberg-Zeit unmittelbar in und mit den Erzeugnissen selbst, den Büchern, erfahrbar. Eine Büchersammlung, deren große Teile in dieser Zeit zusammengetragen wurden, spiegelt all das, was diese als Phase eines umwälzenden Medienwandels, der mit dem aktuellen verwandt ist, an Themen und Inhalten bewegte.

Es sollte der Gutenberg-Stadt Verpflichtung sein, derart authentische Zeugen in Ehren zu halten.

Im Namen der Arbeitsgemeinschaft historische Bestände im Hessischen Bibliotheksverbund

Dr. Silvia Uhlemann, Universitäts- und Landesbibliothek Darmstadt

Am 07.11.2011 schrieb Rosemary Ripperger

Fassungslos muß ich zur Kenntnis nehmen, daß die Stadt Mainz ihre Wissenschaftliche Stadtbibliothek zur Disposition stellen will. Was zwei Weltkriege und die Weltwirtschaftskrise nicht geschafft haben, wollen die jetzigen Mainzer Stadtväter mit einem Federstrich vollziehen!

Natürlich muß gespart werden (und wer mich kennt weiß, daß ich die erste bin die da mitmacht), aber gibt es wirklich keine andere Möglichkeit?

Mainz bildet sich immer gerne ein, Mittelpunkt der Welt zu sein. In einem Fall ist es das sogar, nur weiß das keiner in der Stadt: es kommen nachweislich Wissenschaftler aus der ganzen Welt um mit den Beständen der Stadtbibliothek zu arbeiten. Da aber die Mainzer keine Ahnung haben von den Schätzen, die sie besitzen, können sie sich auch nicht damit brüsten.

Es wäre an der Zeit, daß die Stadt Mainz, anstatt die Bibliothek zu schließen, aufwacht und feststellt, welchen reichhaltigen Schatz sie da besitzt!

Am 08.11.2011 schrieb Sandra Gick

Wenn man nach Mainz kommt, sieht man ein neues Stadion, Sanierungen an verschiedenen Gebäuden usw.

In der Zeitung liest man ständig die Begriffe Bildungspolitik, lebenslanges lernen usw.

Nicht zu vergessen das große Schild an der Straße "Mainz - Stadt der Wissenschaft"!!!!!!!!!!!!!

Bitte folgende plumpe Sätze zu entschuldigen, aber wie peinlich ist ist es dann, eine wissenschaftliche Stadtbibliothek zu schließen! Und was kommt danach, wenn das immer noch nicht reicht?

Und noch ein anderes: Neben dem Bestand, welcher zusammengehalten werden MUSS und dieses Ziel natürlich Priorität hat, sollte man nicht die Mitarbeiter vergessen! Sie alle identifizieren sich mit der Stadtbibliothek und tragen dazu bei, dass diese über 670.000 Medieneinheiten weltweit zur Verfügung stehen. Was passiert mit ihnen, wenn der Bestand im Nirvana verschwindet?

Sandra Gick, Nauheim

Am 09.11.2011 schrieb Manfred Simonis

Die Stadt Mainz steht vor dem finanziellen Kollaps. 1. Mrd Schulden türmen sich auf. Letztlich ist Mainz wie Griechenland.

Und so nimmt es nicht wunder, dass die Politik dringend unter den fianzpolitischen Rettungsschirm des Landes schlüpfen möchte. Aber dazu muss sie 12 Millionen sparen.

Aber wie?

In ruckeligen koalitionären Geheimverhandlungen entdecken die Verantwortlichen die sogenannten "freiwilligen Leistungen", was in Mainzer Lesart gleichbedeutend ist mit Kultur.

Kultur als Steinbruch der Finanzpolitik: Erst das Theater, jetzt die Stadtbibliothek - was kommt dann?

Der "lesende Arbeiter" gehörte einmal zum Gründungsmythos der Sozialdemokratie. Das ist lange her. So lange, dass die Mainzer SPD es leider vergessen hat. Wer lesen will, guckt in Facebook oder sonstwo nach, aber doch nicht in der Stadtbibliothek. Oder wie?

Ist das jetzt sozialdemokratisch?

Den Grünen waren einmal basisdemokratische Teilhabe und bildungspolitische Emanzipation wichtige Werte.

Die Mainzer Grünen haben es vergessen: Im geheimen Zirkel der Macht werden Pläne geschmiedet, ohne mit den betroffenen Menschen zu reden. Ein Unding! In ihrer Unbedarftheit verwechseln sie einen

bildungsemanzipatorischen Ort wie die Stadtbibliothek mit einem bloßen Tempel des "Besitzbürgertums", den man in Zeiten knapper Kassen

getrost zumachen kann.

Diese Grünen dürfen sicher sein: Sie werden in die Geschichte dieser Stadt eingehen als ausgewiesene Kulturzerstörer.

Sind sie sich dessen bewusst?

Ach, und die FDP?

Dazu fällt mir garnichts ein!

In schlechten Zeiten braucht ein Gemeinwesen nicht weniger sondern mehr Kultur. Kultur schafft Identität und fördert die soziale Kohäsion. Und davon brauchen wir mehr - nicht weniger.

Wir leben in der Wissensgesellschaft. Wissen bedeutet Wertschöpfung. Und wo liegt mehr Wissen als in einer Bibliothek?

Wer jetzt Bibliotheken schließt, versündigt sich an der ökonomischen und kulturellen Basis dieser Stadt.

Außerdem: Sparen wir wirklich, wenn die Stadtbibliothek geschlossen wird?

Nein!

Diese Überlegungen sind eine reine Luftbuchung, denn es muss eine Menge Infrakstrukur neu aufgebaut werden: Die Bestände brauchen neue Magazine an anderer Stelle. Das Personal braucht Büroräume, die es noch nicht gibt. Das alte Gebäude ist marode und steht unter Denkmalschutz. Welcher vernünftige Investor kauft so etwas?

Bei Verlagerung der Bibliothek wird nichts gespart. Es muss erst einmal viel Geld investiert werden, das die Stadt gar nicht hat.

Kurzum: Hier wird in politischer Kurzatmigkeit mit heißer Nadel ein Konzept gestrickt, das hinten und vorne nicht funktioniert.

Hier wird nicht real gespart - hier wird politisch gespart.

Aber das ist kein wirkliches Sparen, das der Stadt hilft.

Am 09.11.2011 schrieb Susanne Speth

„Wissen ist Macht“ oder „Nichts wissen – macht nichts“?

Der immense Wert des Wissensspeichers Stadtbibliothek steht im heutigen Informationszeitalter wohl außer Frage. Diesen hervorragend erschlossenen und für Alle zugänglichen Kultur- und Wissensschatz, inklusive fachspezifisch hochwertigem Know-how der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, sollte man Gewinn bringend für Bildung, Forschung und Wissenschaft einsetzen, statt ihn als totes Kapital hinter Schloss und Riegel ungenutzt verkümmern zu lassen. Darüber müsste neu nachgedacht werden, statt sich durch Stilllegung aufs Abstellgleis zu manövrieren.

Am 09.11.2011 schrieb Ralph Lauriolle

Die Wissenschaftliche Stadtbibliothek der Stadt Mainz ist seit einer Familienrecherche (da war ich 12) ein Teil meines Lebens, den ich nicht missen möchte. Es ist nicht nur ein äußerst hilfreiches und sinnvolles Institut,

sondern auch ein Hort der Kultur und ein Ort der Begegnung.

Die Mitarbeiter sind in aller Regel sehr beflissen und freundlich, die Atmosphäre ist entsprechend entspannt und ruhig, mit der Anna-Seghers-Bibliothek nicht zu vergleichen.

Außerdem gibt es den besten & günstigsten Kaffee von ganz Mainz;

man kommt schon bei der Rezeption leicht ins Gespräch und erfährt so einiges am Rande, was niemals in Büchern steht. Für das seit 1912 weit über Mainz hinaus bekannte Gebäude kann ich mir eine andere Verwendung (Parkhaus???) nicht vorstellen, zumindest wäre ein Umbau wohl viel zu aufwändig. Der 'Tod' dieser urmainzer Institution wäre ein schwerer Verlust für die ganze Region und würde eine große Lücke hinterlassen. Auch eine ähnlich vorteilhafte Lage (Parkplätze und Bus direkt vor der Tür) kann man sich wohl kaum vorstellen, schon gar nicht eine 'Auslagerung' in die Universität oder gleich richtig in die 'Pampa'.

Am 12.11.2011 schrieb Frank Möbus

Wir müssen uns darüber klar sein, dass solch ein massiver Abbau wissenschaftlicher und kulturgeschichtlicher Ressourcen ein irreversibler Prozess ist. Leuchttürme kann man nun einmal nicht mit Energiesparbirnen niedriger Wattzahl betreiben. Die Stadt ist dabei, ihre wunderbare Bibliothek in die Bedeutungslosigkeit zu treiben.

Am 12.11.2011 schrieb Ingo Ottermann

Wenn der Stadtrat in seiner Sitzung vom 14.12. dem Sparpaket zustimmen wird, ist der lebendigen Bürgerbibliothek der Gutenbergstadt unwiderruflich der Todesstoß versetzt!

Daran ändert auch der so wichtige Zusammenhalt der Bestände am historischen Ort nichts.

Bibliotheken sind keine musealen Stätten, sondern Orte des lebendigen Wissenstransfers.

Das wissenschaftliche Arbeiten mit Büchern, das seit 100 Jahren in der Rheinallee stattfindet, braucht Bibliothekare und vor allem eine kontinuierliche Bestandserweiterung.

Warum wundert es uns eigentlich, dass das Sparpaket just zu Beginn der fünften Jahreszeit verkündet wurde? Narrenzeit - in Mainz das ganze Jahr? Helau!

Ingo Ottermann, M.A. (Historiker und Pädagoge/Speyer)

Am 13.11.2011 schrieb Annelen Ottermann

Nein, schlaft nicht,

während die Ordner der Welt geschäftig sind!

Seid misstrauisch gegen die Macht,

die sie vorgeben für euch erwerben zu müssen!

Wacht darüber, dass eure Herzen nicht leer sind,

wenn mit der Leere eurer Herzen gerechnet wird!

Tut das Unnütze, singt die Lieder,

die man aus eurem Mund nicht erwartet!

Seid unbequem, seid Sand,

nicht das Öl im Getriebe der Welt.

Günter Eich

Am 14.11.2011 schrieb Walter Stutterich

Ich kann mir nicht vorstellen wie unsere Politiker, die sich dem Wohle der Bürger verpflichtet haben, oder gar bei Gott geschworen haben, dem Staat also dem Bürger zu dienen, auf solche Ideen kommen. Die Herrschaften schmeißen für alle möglichen Dinge das Geld nur so raus, aber für Wissen oder hier eine Institution in der der Mensch Wissen abfragen kann, ist kein Geld da. Das ist aber wie vor Jahren die Bücherverbrennung, somit eine grobe und verächtliche Mißachtung unserer Kultur.

Am 15.11.2011 schrieb Franz Philipp Rutzen

Appell und Pflichtlektüre für Ampelkoalitionäre

Die Stadt Mainz muß sparen, und dem Stadtrat obliegt die verantwortungsvolle Aufgabe, die Felder für Kürzungen und Streichungen abzustecken. Durch unterschiedliche Vorstellungen, Interessenlagen und Schwerpunktsetzungen der tonangebenden Stadtratsfraktionen sind die Meinungsbildungsprozesse hierzu bestimmt ein schwieriges Geschäft, das man nicht auf dem Marktplatz austrägt. Diskretion und Konsensfähigkeit entsprechender Vorstöße sind notwendig. Ausgewogenheit, Verantwortbarkeit und Nachhaltigkeit sollten sich in Beschlußvorlagen jedoch ebenso widerspiegeln wie eingeholte oder anzuhörende Meinungen von Experten und auch der Betroffenen. – Soweit dürfte das noch jeder unterschreiben können ...

In Bezug auf die Mainzer Stadtbibliothek ist jedoch schon bis genau hierher – ohne die Pläne noch im einzelnen zu betrachten – grundlegend verstoßen worden. Es ist unangemessen gewesen, daß eine so wichtige Angelegenheit wochenlang lediglich auf der Grundlage einer von offizieller Seite unwidersprochen gebliebenen Pressemeldung in kleinen Runden diskutiert wurde. Das kolportierte Gerücht sah eine Zerschlagung der wissenschaftlichen Stadtbibliothek vor. Eine sehr große Zahl von Nutzern der Bibliothek, insbesondere aber deren Mitarbeiter verzehrten sich in der Sorge, ob eine solche Barbarei wirklich in der „Stadt der Wissenschaft 2011“ und „Gutenberg-Stadt“ Mainz beschlossen werden könnte. Und sie wußten auch nicht, wie sie angemessen reagieren sollten (und durften). Es blieb vordergründig auch lange die Öffentlichkeit ruhig, nur wenige Leserbriefe erschienen in der lokalen Presse, etwa von Prof. Reifenberg oder Dr. Dumont. Viele, denen die Stadtbibliothek sehr wohl eine Herzensangelegenheit ist, hielten sich nur aus Respekt vor der schweren Aufgabe des Stadtrats, die notwendigen Einsparpotentiale auszuloten, mit öffentlichen Wortmeldungen zurück – weil es ja noch keinerlei Positionierung etwa der Kulturdezernentin oder des Oberbürgermeisters gab.

Die Zurückhaltung konnte man schließlich auch seitens der Mainzer Bibliotheksgesellschaft fahren lassen, spätestens nachdem am 10. November in einem gemeinsamen Presseauftritt der beschlußrelevanten Stadtratsfraktionen „die Katze aus dem Sack gelassen“ wurde. Zwar bleibt die Bibliothek vorerst erhalten und auch am Ort, aber sie wird de facto kaputtgespart. Binnen weniger Tage verzeichnete die ins Internet gestellte Petition eine sehr beträchtliche Zahl von Unterschriften (4.359 bis zum 15. Nov. 2011 um 0.40 Uhr), und es ist anzunehmen, daß es noch weit mehr werden.

Ist die Sache schon gelaufen, weil es einen Konsens innerhalb der Ampelkoalition gibt? Soll man sich damit abfinden und anfreunden, weil es ja auch noch schlimmer hätte kommen können? Soll das einst so selbstbewußt-stolz gesprochene „Mainz bleibt Mainz“ zum ironischdistanzierenden Fanal der Resignation werden? Soll man aufgeben, nach dem Motto: „Da kann man nichts mehr ändern ..., die denken jetzt schon wieder nur noch an Fastnacht und OB-Wahlkampf ...“?

Niemals! Ich habe das Recht, meine Stimme zu erheben, und ich will es sachlich tun. Noch sollen unsere Kommunalpolitiker die Chance erhalten, eine überzogene und unangemessene falsche Entscheidung zu korrigieren. Und der Beschluß im Stadtrat soll ja auch erst am 14. Dezember gefällt werden. Wie der Presse zu entnehmen ist, brüstet sich die Ampelkoalition damit, vorsorglich sogar viel mehr als nötig auf die Streich- und Kürzungsliste gesetzt zu haben, weil man ja nicht abschätzen könne, inwieweit die ADD in Trier die Pläne gutheißen und passieren lassen werde. – „In die Pfanne hauen“ kann und sollte man die Verantwortlichen für eine kultur- und bildungspolitisch derart desaströse und falsche Entscheidung hinterher, wenn das Kind womöglich nicht mehr aus dem Brunnen herausgeholt worden sein sollte, in den man es nun erst einmal plumpsend fallen ließ.

 

Als ehemaliger Inhaber des Verlags Philipp von Zabern, der über 200 Jahre in Mainz ansässig war und allein in den Jahren 1960 bis 2010 mehr als 3.000 Titel der Mainzer Stadtbibliothek als Pflichtexemplare auf den Wissensgebieten Archäologie, Geschichte und Kunstgeschichte kostenlos zur Verfügung gestellt hat, erhebe ich meine Stimme und rufe die Ampelkoalitionäre beschwörend auf, die Sparpläne bezüglich der Stadtbibliothek neu zu prüfen und wo immer es vertretbar ist, fallen zu lassen. Eine Bibliothek kann man nicht kaltstellen, indem man so beträchtlich am Personal und Anschaffungsetat spart, daß die Bibliothek sehr bald ihren Aufgaben gar nicht mehr gerecht werden kann. Es ist kurzsichtig und wird sich rächen.

Die wunderbar reichen Buchbestände haben nur einen Wert, wenn sie benutzt werden können. Wenn aber bald nur noch ein Notbetrieb möglich ist, wird man vielleicht nicht einmal mehr recherchieren können, was die Bibliothek denn überhaupt besitzt. Dann bleiben zwangsläufig auch die Benutzer aus, und die Bibliothek siecht und stirbt langsam. Dann wird der Druck zu weiteren Reduzierungen sogar noch wachsen, und die Bibliothek wird schnell ganz zur Disposition stehen, sobald ihre Bestände anderweitig unterkommen können. Dann kommt vielleicht doch wieder hoch, was man bislang noch hauptsächlich befürchtet hatte, die Zerschlagung der Einheit: die Handschriften ins Gutenberg-Museum, den alten Moguntinen-Bestand ins Stadtarchiv und den Rest in die Universitätsbibliothek.

Es darf nicht soweit kommen, daß mit dem Einstieg der Mainzer Stadtverwaltung in den Entschuldungsfond gleichzeitig das Totenglöcklein für die wissenschaftliche Stadtbibliothek geläutet wird! Ich bitte alle Mainzer, alle Freunde der Kultur, der Geschichte und der Zukunft der Stadt Mainz, sich als Multiplikatoren dieses Appells zur Verfügung zu stellen. Es müssen alle Möglichkeiten und Wege genutzt und beschritten werden, um denjenigen Volksvertretern im Mainzer Stadtrat, die am falschen Ende sparen zu wollen im Begriff stehen, bewußt zu machen, was die Umsetzung ihres Beschlusses bedeuten würde: Das Aus für die Stadtbibliothek – auf Raten, aber unausweichlich.

 

Franz Philipp Rutzen

Verlag Franz Philipp Rutzen

Am Zellerberg 21

83324 Ruhpolding

 

Man beachte auch mit Bezug auf den Appell den Beitrag in der Allgemeinen Zeitung Mainz vom 26.11.2011

www.allgemeine-zeitung.de/region/kultur/literatur/11395018.htm

Am 15.11.2011 schrieb Klaus Graf

Die wissenschaftliche Stadtbibliothek Mainz ist dank Frau Ottermann führend bei der Erforschung von Altbestandsprovenienzen in Deutschland, sie beteiligt sich am Digitalisierungsprogramm Dilibri. In den vielen Kommentaren der Online-Petition wird deutlich, dass hier mehr als eine beliebige wissenschaftliche Büchersammlung vorliegt, dass die Stadtbibliothek Mainz als Regional- und Altbestandsbibliothek Aufgaben für die Bürgerinnen und Bürger und die überregionale Forschung wahrnimmt, die so nicht einfach von anderen Institutionen wie der UB Mainz oder dem Gutenbergmuseum übernommen werden können.

Diejenigen Privatleute und Institutionen, die in den letzten beiden Jahrhunderten die Stadtbibliothek mit Schenkungen unterstützt haben, haben dies mit der Erwartung getan, dass die Bestände angemessen betreut werden.

Die Stadtbibliothek Mainz darf nicht kaputtgespart werden! Sie muss vielmehr als regionale Forschungsbibliothek ausgebaut werden. Sicher wird es kurzfristig nicht ohne Einschnitte abgehen, aber mittelfristig muss die Bibliothek fit für die Zukunft gemacht werden und das geht nur, wenn man auf ihre Stärken setzt und sie vor brachialen Reduzierungen bewahrt.

Die Bibliothek muss als als Forschungsbibliothek im Verbund mit dem Landesbibliothekszentrum und der Stadtbibliothek Trier neu aufgestellt werden. Es müssen Projekte für die Erschließung, bessere Nutzung und Digitalisierung rheinland-pfälzischer Altbestände angesiedelt werden.

Um zu verhindern, dass kommunales Mismanagement bei den sogenannten freiwilligen Aufgaben zu weiteren Kahlschlägen führt, muss langfristig eine Stiftungslösung ins Auge gefasst werden, die den Bestand der wissenschaftlichen Stadtbibliothek Mainz dauerhaft absichert.

Am 17.11.2011 schrieb Annelen Ottermann

Erinnern wir uns an die Forderung der Petition:

"Die Bibliothek muss auch in Zukunft eine lebendige Regionale Forschungsbibliothek sein – ihre Leuchttürme sind die historischen Bestände und die Regionalia. Damit diese Leuchttürme weiter internationale Ausstrahlung haben, brauchen sie zwingend die finanziellen, personellen und organisatorischen Voraussetzungen für Erwerbung, Erschließung, Erhaltung und den Verbleib in der Verbund-Infrastruktur des Wissenschaftlichen Bibliothekswesens."

Halten wir demgegenüber aber fest:

Mit dem Sparpaket ist die Bibliothek davon weit entfernt! Leuchttürme brauchen dauerhafte Energiezufuhr, sonst wird ihr Licht fahl und ihre Leuchtkraft weist niemandem den Weg. Und wenn es um die Leuchttürme kein bewohnbares Terrain mehr gibt, wem und wofür sollen sie dann heimleuchten? Werden es dann nicht eher Irrlichter?

Am 17.11.2011 schrieb Institut für Geschichtliche Landeskunde an der Universität Mainz e.V.

Institut für Geschichtliche Landeskunde an der Universität Mainz e.V.

Newsletter vom 9. November 2011

OFFENER BRIEF ANLÄSSLICH DER DROHENDEN ZERSCHLAGUNG DER STADTBIBLIOTHEK UND DES STADTARCHIVS MAINZ

Liebe Mitmenschen, die an der Geschichte der Stadt Mainz sowie an den

traditionsreichen, wertvollen Einrichtungen, Bibliotheksbeständen und

Quellen dieser Stadt interessiert sind, die Zeitungsnachricht, dass die Stadtbibliothek Mainz in drei Teile

zerschlagen und das Stadtarchiv mit seinen wertvollen Schätzen in

irgendein leerstehendes Schulgebäude verlagert werden soll, damit man das

Bibliotheks- und Archivgebäude in der Rheinallee 3 B (mit seinem

denkmalschützenswerten wunderschönen Lesesaal) verkaufen kann, hat uns

tief erschüttert. Mainz hat eine der ältesten und bedeutendsten

Wissenschaftlichen Stadtbibliotheken dieser Republik, und die Bestände des

Stadtarchivs, die den Krieg fast ohne Verluste überstanden haben, sind für

die Nachwelt und für die Forschung von unschätzbarem Wert. Es müsste ein

Aufschrei durch diese Stadt gehen, aber wahrscheinlich sind sich nicht

viele Menschen des Wertes dieser Einrichtungen bewusst. Seit Jahrzehnten

gibt es Pläne für einen Neubau für beide Einrichtungen, da sie räumlich

unzureichend untergebracht sind. Zuletzt gab es Planungen für den Standort

Zollhafen, die weit fortgeschritten waren, aber anscheinend aus

Kostengründen wieder fallengelassen wurden. Die Archivbestände müssen

dringend unter zeitgemäßen archivarischen Gesichtspunkten hinsichtlich

Feuerschutz, Diebstahlsschutz und Klimabedingungen untergebracht werden,

dafür ist ein leerstehendes marodes Schulgebäude mit Sicherheit nicht

geeignet oder würde sehr hohe Umbaukosten verursachen. Und wenn die

Wissenschaftliche Stadtbibliothek in einzelne Bestandteile zerschlagen

wird, werden die einzelnen Bestände zwar irgendwo weiter gelagert werden

und ein Schattendasein fristen, aber diese einmalige Kultureinrichtung

wäre als bedeutende Institution mit ihrem wertvollen historischen

Bücherbestand aus der Zeit der alten Mainzer Universität sowie mit den

heutigen Schwerpunkten der Regionalliteratur, Rheinlandpfalz-Bibliographie, Moguntinensammlung usw., um nur einige zu nennen, für immer verloren. Und, was gravierend ist: diese Sammlungen und

Bestände würden nicht weiter durch Neuanschaffungen vervollständigt!

Eine Stadt mit einer zweitausendjährigen Geschichte, die sich ohne große

Probleme ein neues Fußballstadion für viele Millionen Euro leisten kann,

muss auch in der Lage sein, seine wertvollen Kultureinrichtungen für die

Nachwelt zu bewahren und angemessen unterzubringen.

Bitte setzen auch Sie sich für den Erhalt des Stadtarchivs, der

wissenschaftlichen Stadtbibliothek und die weiterhin öffentliche Nutzung

des historischen Gebäudes ein. Durch Ihren Eintrag in der Petitionsliste

der Mainzer Bibliotheksgesellschaft können Sie Ihren Protest zum Ausdruck

bringen und die Aktion unterstützen!

 

Institut für Geschichtliche Landeskunde

an der Universität Mainz e.V.

Hegelstraße 59

55099 Mainz

Am 17.11.2011 schrieb Susanne Buchholz

Wir haben erreicht, dass die Bibliothek nicht zerteilt und aufgelöst wird, sie bleibt sogar in ihrem alten Zuhause!

Aber sicher scheint, dass in den nächsten Jahren von 33 Stellen 20 nicht mehr besetzt werden sollen (Pensionierung oder Ausscheiden aus anderen Gründen). Das wiederum bedeutet, das einige Dienstleistungen gestrichen werden müssen! Es fragt sich nur, welche davon fallen weg und kann eine Bibliothek unter den Voraussetzungen überhaupt funktionieren?

Streicht man der Wissenschaftlichen Bibliothek Mainz die Personal- und Erwerbungsmittel, dann ist das eine Schließung auf Raten, ein langsames „Verhungernlassen“.

Aber die Fassade steht ja aufrecht - ungeteilte Bibliothek, gleiches Haus ...., leider gibt es aber keine Möglichkeit zum Wissenspeichern /Wissenverteilen und was wird aus den Forschungsvorhaben!

Die Bibliothek wird zum Museum; das hat sie nicht verdient.

Am 17.11.2011 schrieb Michael Real

Zur Berichterstattung der Mainzer Rheinzeitung über die bislang zu Tage getretene Absicht der Koalition, die Stadtbibliothek (StB) zu zerschlagen bzw. Teile oder sogar alle Bestände auf andere Institute wie Gutenberg-Museum, Stadtarchiv, Uni-Bibliothek oder Öffentliche Bücherei zu übertragen:

Dass die Ampelkoalition noch nichts entschieden hätte, wie Frau Grosse kürzlich sagte, ist ein ganz übles Argument: Würde sie sich so entscheiden, wäre es für Proteste schon zu spät, da dann die Koalition platzen könnte, weswegen diese Allianz dann wieder wie Pech und Schwefel zusammen halten müsste. Entweder es wird dementiert, oder die Planung an der Schlachtung geht voran. Die Diskussion wird teilweise bestimmt vom Schicksal der Mitarbeiter oder der Zukunft des -denkmalgeschützten- Gebäudes. Das sind Argumente in der Nebensache: Über das Gebäude hätte man schon bei der Diskussion reden müssen, als die Verlegung von StB, Archiv und Bücherei an den Zollhafen anstand. Über die Mitarbeiter wurde vorsorglich gesagt, dass für sie -ökonomisch gesehen-, keine Gefahr bestünde. Immerhin sind Zweifel angebracht, wie eine laufbahngerechte Verwendung der nicht ganz kleinen Beamtenschaft realisierbar ist.

Hauptsache ist aber doch die Erhaltung der Einrichtung selbst, die ja eine respektable Rolle im deutschen, auf Kooperation angelegten Bibliothekssystem spielt. Diese Rolle erschöpft sich gerade nicht in der Konservierung einiger wertvoller Sammlungen im Sinne eines Einfrierens – eine solche Lösung kann nur jemandem einfallen, der die Aufgabenstellung einer Bibliothek und die damit korrespondierenden Erwartungen von Benutzern nicht kennt. Es geht vielmehr um Pflege und Ausbau wissenschaftlich relevanter Literatur, wie sie vor allem von den historisch arbeitenden Disziplinen aller Fächer benötigt wird. Nicht eingegangen sei an dieser Stelle auf die fachlichen Argumente, die gegen die Aufteilung von Beständen auf oben genannte Einrichtungen sprechen, die ja sämtlich selber an Raumnot leiden. Angedeutet sei aber das rechtliche Problem etwa des so gen. Pflichtexemplars, wie es auf Grund landesrechtlicher Bestimmungen nun mal seit Jahrzehnten der StB Mainz zukommt und dort auch gesetzeskonform verfügbar gehalten werden muss.

Wenn die Stadt Mainz sich schon nicht in der Lage sieht, ihre Stadtbibliothek im Sinne eines permanenten Ausbaus mit adäquater Erschließung und Vermittlung selbst zu erhalten, dann sollte sie nach einem fachlich und institutionell seriösen Partner Ausschau halten. Nach Lage der Dinge können das nicht die o. a. städtischen Institute sein, die Probleme würden ja nur im doppelten Sinn verlagert. Wer weiß zudem, ob, wann und wie dort demnächst die Axt angelegt wird? Die UB hat im Grunde ihre eigenen Aufgaben, die nicht kongruent sind mit denen einer Regionalbibliothek wie der StB. Vor einigen Jahren versuchte sie schon zu beweisen, dass bei großer Raumnot o.ä.„Makulieren“ d. h. ggfs. auch Vernichten von Büchern das Gebot der Stunde sei. Sinnvoll wäre demgegenüber eine Einbindung in das Landesbibliothekszentrum Rheinland-Pfalz, das von Bestand und Aufgabenstellung ähnlich strukturierte Bibliotheken wie die Pfälzische Landesbibliothek in Speyer, die Rheinische Landesbibliothek in Koblenz und die Bibliotheca Bipontina in Zweibrücken unter seinem Dach vereinigt. Dazu bedarf es sicherlich guten Überlegens und geschickten Verhandelns, aber keiner Haurucklösung, wie sie im Moment unter dem Druck der Sparvorgaben leider zu befürchten ist.

 

Michael Real

 

(Dieser Text wurde auszugsweise und in entschärfter Form von der

Mainzer Rhein-Zeitung am 8. Nov. 2011 abgedruckt. Er repräsentiert nach

Meinung des Verf. den Stand der Debatte vom 6. Nov. 2011.)

Am 22.11.2011 schrieb Dr. Fritz Reuter

Sehr geehrte Damen und Herren,

ich habe mit einer Mischung aus Entsetzen und Wut gelesen, was sich da in Mainz drohend abzeichnet. Ich trete nachdrücklich für die Erhaltung sowohl des Stadtarchivs wie der Einheitsbiliothek Mainz ein. In ihnen werden das Wissen um die Geschichte der Kommune durch die Jahrhunderte ebenso festgehalten wie die geistigen Bewegungen langer Zeiträume. Studenten, Wissenschaftler und interessierte Bürger jeden Alters und Bildungsgrades können hier nicht nur erfahren, was war oder galt, sondern sich zugleich einen soliden Wissensstand aneignen, den sie in das politische und geistige Klima ihrer Stadt einbringen. Das stellt eine Grundlage demokratischer Entscheidungen dar.

Wissen und Lernen bedarf aber auch eines Raumes, wie sie Bibliotheken und Archive bieten. Damit darf nicht nach Kassenlage und als Verfügungsmasse umgegangen werden. Daraus folgert, dass Entscheidungen nicht aus dem Augenblick heraus, sondern nach gründlicher Überlegung zu fallen haben. Hier wird über das geistige Eigentum einer ganzen Stadt entschieden, einer Stadt, deren Gedächtnis und Wissengrundlage Archiv und Bibliotheken sind.

 

Dr. Fritz Reuter, Worms

Am 22.11.2011 schrieb Ursula Dick

Es ist unfassbar, wie die Stadt Mainz mit ihrer viel genutzten und weit über die Grenzen der Kommune hinaus geachteten Wissenschaftlichen Stadtbibliothek verfährt und noch zu verfahren gedenkt. Will sich die Landeshauptstadt von Rheinland-Pfalz nur noch über Weinfeste, Fußball und Fastnacht definieren?! Das alles in Ehren, aber das kann es doch wohl nicht gewesen sein!! Nun sollen die Bestände der Bibliothek beieinander bleiben - eine erste gute Nachricht, aber es nützt ja auf Dauer wenig, wenn sie gewissermaßen museal "eingemottet" werden sollen, wenn also einschneidend Personal, Dienstleistungen und Geldbeträge abgebaut werden.

Was soll das werden, wenn die Bibliothek nicht mehr offen für Neues sein und Altes nicht mehr pflegen kann? Und was würde fehlen, wenn auf die informativen und auch wünderschönen Ausstellungen verzichtet werden müßte - und auf die damit verbundenen Publikationen? ...Das kann doch die Stadt, die sich gerade als "Stadt der Wissenschaft" feiert, nicht wollen!

Als Nutzerin der Bibliothek seit 1959 - so lange lebe ich in Mainz - erwarte ich ganz entschieden, dass die in vieler Hinsicht kontraproduktiven Personal- und Finanzvorstellungen der Stadt zugunsten einer lebendigen und funktionsfähigen Wissenschaftlichen Mainzer Stadtbibliothek revidiert werden!

Noch einige Gedanken zu dem unbedingt dazugehörigen Gebäude, in dem die Bestände untergebracht sind: Die Stadt hätte es längst sanieren müssen. Das ist sträflicherweise unterblieben. Nun frage ich, ob vielleicht eine Bürgerbewegung - so ähnlich wie für das Schloss - entstehen könnte, die die Stadt finanziell bei der Restaurierung unterstützt. Die Stadt ist aus meiner Sicht nach wie vor in der Pflicht, dieses wertvolle Bauwerk in würdigem Zustand zu erhalten, aber vielleicht gelänge es ehr und besser mit Unterstützung der Bürger.